Olympia 2016

Zweite Olympia-Teilnahme für Antonio Silvestri

Der 44-jährige Murrer fungiert in Rio als Kampfrichter-Chef des Weltverbande

Benningen/Murr – Bei den Olympischen Spielen in Rio vertreten insgesamt sieben Sportlerinnen und Sportler die Farben des Deutschen Ringer-Bundes (DRB). Mitten drin im Geschehen ist in Rio auch der 44-jährige Antonio Silvestri aus Murr. Der Kampfrichter-Chef des Ringer-Weltverbandes UWW ist für die Einteilung sämtlicher Mattenduelle verantwortlich.

„Die Vorfreude ist natürlich groß. Nach London 2012 ist dies meine zweite Olympia-Teilnahme“, sagt der Referee des Verbandsligisten RSV Benningen nicht ohne Stolz. Im Vergleich zu den Spielen in London steht Silvestri diesmal allerdings vom ersten bis zum letzten Wettkampftag im Fokus. Im April des vergangenen Jahres wurde Silvestri als Kampfrichter-Chef des Weltverbandes UWW berufen und hat seither mit seinen Mitstreitern einiges bewegt: „Die Kämpfe sind aufgrund der Regel-Modifizierungen grundsätzlich dynamischer und somit für die Zuschauer attraktiver geworden. Auch die Punktevergabe wurde vereinfacht“, sagt der ehemalige Spitzenringer, der im Alter von 6 Jahren beim ASV Oßweil seine ersten Schritte auf der Matte machte. Der serbische UWW-Präsident Nenad Lalovic hält große Stücke auf die Arbeit von Silvestri und hat zusätzliche Mittel für die optimale Vorbereitung der Kampfleiter bewilligt: „Ende Mai hat erstmals in Antalya ein fünftägiger Lehrgang stattgefunden, bei dem die 50 besten Referees der Welt für die Spiele in Rio vorbereitet wurden. Wir haben dabei intensive Video-Studien betrieben und die Regeln nochmals verdeutlicht“, sagt der Murrer, der in Rio selbst nicht auf der Matte stehen wird: „In London hatte ich einige Einsätze bei den Finalkämpfen, diesmal werde ich ausschließlich neben der Matte tätig sein und die komplette Einteilung aller Kämpfe koordinieren“. Dies dürfte keine leichte Aufgabe werden, denn aufgrund der zahlreichen Athleten aus den Ostblock-Staaten kam es in der Vergangenheit oftmals zu Interessenkonflikten bei der Kampfrichter-Einteilung, welche diesmal bereits im Vorfeld ausgeschlossen werden sollen. Neben Silvestri ist der DRB in Rio mit Uwe Manz (Bönen) und Michael Faller (Neuss) vertreten: „Die beiden zählen zu den besten Kampfleitern der Welt, sie haben die Nominierung absolut verdient“, lautet die Einschätzung des Bereichsleiters der Verwaltungs-Berufsgenossenschaft (VBG) in Ludwigsburg. „Ohne die tolle Unterstützung meines Arbeitgebers und meiner Kollegen wäre dieser Aufwand sicher nicht zu stemmen. Bauen kann ich dabei natürlich auch immer auf meine Frau Victoria“, sagt Silvestri, der vor der Abreise nach Rio gemeinsam mit seiner Frau und den beiden Kindern David (4 Jahre) und Sophia (21 Monate) noch ein paar Urlaubstage verbringen wird, ehe er am 9.August in Frankfurt in den Flieger steigt. „Wir werden außer den Ringer-Wettkämpfen leider nicht viel mitbekommen. Immerhin können wir vor Start der Wettkämpfe das Beach-Volleyball-Turnier an der Copacabana besuchen. Auch bei der Abschlussfeier werden wir dabei sein“, fiebert Silvestri den Spielen entgegen. Selbstverständlich wird der Murrer auch das Abschneiden der deutschen Athletinnen und Athleten verfolgen: „Natürlich drücke ich besonders Eduard Popp die Daumen, der zu Zweitliga-Zeiten 2010 und 2011 für Benningen auf die Matte gegangen ist“. Mit den Gegebenheiten vor Ort ist Silvestri schon vertraut, Ende Januar weilte er bei einem Test-Turnier in der brasilianischen Metropole. Bis zum Rückflug am 23.August stehen ihm mit Sicherheit einige spannende und vor allem anstrengende Tage bevor.

 

Drei Teilnehmer aus dem Ländle kämpfen in Rio um die Medaillen:

Mit dem amtierenden Weltmeister Frank Stäbler (Musberg, 66 kg/Griechisch-römisch), dem ehemaligen Benninger Eduard Popp (Neckargartach, 130 kg/Griechisch-römisch) und der diesjährigen EM-Fünften Luisa Niemesch (Weingarten, 58 kg) sind in Rio drei Teilnehmer aus Baden-Württemberg am Start. Während sich der Musberger Frank Stäbler das Ticket nach Rio mit dem Gewinn des WM-Titels direkt sicherte, erkämpften Popp und Niemesch ihren Startplatz jeweils bei den Qualifikationsturnieren Anfang des Jahres. „Chancen auf eine Medaille dürfte vor allem Frank Stäbler haben, der Anfang Juli beim Großen Preis von Deutschland in Dortmund erneut einige Weltklasse-Athleten bezwingen konnte“, lautet die Einschätzung von Antonio Silvestri.

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